Beispiel Mesoebene

Mesoebene

Lehrplanbeispiel Technik mit Fachrichtung Unternehmensprozesse: Mesoebene

Beispiel Lehrplan Unternehmensprozess

Höhere Fachschulen müssen in Anerkennungsverfahren zeigen, dass sie mit ihrem Bildungskonzept und ihrer Schulorganisation in der Lage sind, die Vorgaben der Rahmenlehrpläne und der Mindestverordnung umzusetzen. Kernstück dieser Arbeit besteht aus dem Erarbeiten eines Bildungsplans oder Schullehrplans. Der folgende Ausschnitt aus einem Lehrplan Technik mit Fachrichtung Unternehmensprozesse realisiert eine Planung mit einer Fächerorientierung. Diese sind jedoch situations- und kompetenzorientiert aufgebaut. Folgende Analyse mit Hilfe der generischen Fragen zeigt die Stärken und Schwächen eines solchen Lehrplans auf:

Anhand ausgewählter Leitfragen der spezifischen Berufsfelddidaktik wird eine inhaltliche  Bewertung des Lehrplans Technik mit der Fachrichtung Unternehmungsprozesse vorgenommen. Ziel ist es zu beurteilen, inwieweit der Lehrplan die berufsfelddidaktischen Ansprüche erfüllt.

Die Analyse erfolgt in folgenden Bereichen:

  • ME2 Arbeitssituationen  einschliesslich Arbeitsprozesse
  • ME3 Ressourcen und Kompetenzen
  • ME4 Auswahl, Begründung und Anordnung  von Themen
  • ME5 Transfer einschliesslich Lernortkooperation
  • ME6 Qualifikationsverfahren

Zu ME2 Arbeitssituationen einschliesslich Arbeitsprozesse

Leitfragen

Repräsentieren die Arbeitssituationen und –prozesse die reale Berufswelt, für die ausgebildet werden soll?

Im Lehrplan Technik Fachrichtung Unternehmensprozesse werden vier Arbeitsprozesse aus dem Rahmenlehrplan original übernommen und in Arbeitssituationen überführt. Vor diesem Hintergrund repräsentieren die Arbeitssituationen die reale Berufswelt, weil die im Rahmenlehrplan beschriebenen Arbeitsprozesse empirisch gewonnen wurden.

Spiegeln sich im Lehrplan die relevanten Arbeitssituationen und –prozesse wider?

Die Frage nach der Relevanz erfordert spezielle Berufsfeldkenntnisse und wird dadurch garantiert, indem Lehrpersonen an der Erarbeitung des Lehrplans mitwirken, die auch in der entsprechenden Praxis tätig sind.

Zu ME3 Ressourcen und Kompetenzen

Leitfragen

  • Leisten die Kompetenzen einen Beitrag zur Erfüllung des Berufsbildungszieles?

Der Lehrplan beschreibt insgesamt 12 Kompetenzen. Es kann festgestellt werden, dass die Kompetenzformulierungen Begriffe beinhalten, die an die Arbeitssituation anknüpfen. Sie umfassen das Wissen und Können, das zur Bewältigung von Arbeitssituationen nötig ist.

Die Kompetenzen sind einerseits original aus dem RLP entnommen: Kompetenz 1 – 5 und Kompetenz 7, die den fachspezifischen Arbeitsprozessen 11, 12 und 13 entsprechen. Andererseits werden die Kompetenzen neu formuliert: Kompetenz 6 und Kompetenz 7 – 11, die dem allgemeinen Arbeitsprozess Arbeitsprozess 6 entsprechen.

Beispiel: Kompetenzen Rahmenlehrplan und Lehrplan

Die dipl. Technikerinnen HF/dipl. Techniker HF Unternehmensprozesse …

* analysieren die Umgebung eines Prozesses und formulieren das wesentliche Prozessziel.

  • Ist die Kohärenz der Bildungsteile/Lerngefässe gewährleistet?

Der Lehrplan ist themenorientiert aufgebaut. Jedem leitendem Thema werden drei Lerngefässe zugeordnet: Präsenzunterricht,  Selbststudium und angeleitetes Selbststudium. Präsenzunterricht und Selbststudium werden über Lektionen quantifiziert. Das angeleitete Selbststudium wird über Transferaufgaben gesteuert. Das Thema und die Transferaufgaben stellen das Bindeglied dar, worüber die Kohärenz der Lerngefässe hergestellt wird.

Die Beschreibung von Fertigkeiten bildet ein weiteres Strukturelement des Lehrplans. Fertigkeiten weisen einen Bezug zur Kompetenz und zu den Inhalten auf und werden in Transferaufgaben transformiert.

  • Ermöglichen die Lerngefässe den Erwerb und die Vertiefung beruflicher Kompetenzen?

Der vorliegende Lehrplan baut curricular über Wissen und Fertigkeiten Kompetenzen auf und transformiert diese in Transferaufgaben zur Performanz.

ME4 Auswahl, Begründung und Anordnung  von Themen

Leitfragen

  • Sind die Themen an eine kompetenzorientierten beruflichen Bildung konsistent ausgerichtet?

Im Lehrplan werden insgesamt 4 Themen aufgelistet:

  • Einführung, Grundlagen
  • St. Galler Managementmodell, Umweltsphären & Anspruchsgruppen
  • Umweltsphären, Anspruchsgruppen und Unternehmensethik
  • Strategisches Management, Standort eines Unternehmens, Wertschöfpungskette (Make or Buy)

Die Analyse zeigt, dass sich die Themen in den Arbeitsprozessen widerspiegeln und somit zur Bewältigung von Arbeitsstationen beitragen.  Aus der Formulierung der Themen wird eine Kombination aus disziplinorientiertem (z.B. 1. Thema: Einführung, Grundlagen und 2. Thema: St. Galler Management im Überblick)  und fächerübergreifendem (3. Thema: Umweltsphären, Anspruchsgruppen und Unternehmensethik)Vorgehen erkennbar.

ME5 Transfer einschliesslich Lernortkooperation

Leitfragen

  • Ist die Koordination der Lernorte im Lehrplan geregelt? Sind die Bildungskonzepte der jeweiligen Lernorte kohärent?

Der Lehrplan macht hinsichtlich der Koordination der Lernorte implizite Aussagen über Transferaufgaben, die einen Bezug zum Arbeitsalltag der Studierenden haben (zum Beispiel Rechercheaufgaben im eigenen Betrieb).

ME6 Qualifikationsverfahren

Leitfragen

Korrespondieren die im Lehrplan ausgewiesenen Qualifikationsverfahren mit den normativen Vorgaben? Sind die Qualifikationsverfahren auf die Bildungsziele sowie deren Anforderungsniveaus abgestimmt?

Der vorliegende Lehrplan macht bezüglich Qualifikationsverfahren keine Aussagen. Normalweise wird ein solches in einem didaktischen Konzept speziell ausgewiesen. Bezogen auf das Fach und den angestrebten Kompetenzen ist es allerdings überlegenswert, ob ein expliziter Bezug zum Qualifikationsverfahren vielleicht doch zielführend wäre.

Fazit

Die Analyse des Lehrplans zeigt, dass die im Rahmenlehrplan grundgelegten Leitprinzipien der Arbeitsprozess- und Kompetenzorientierung weitgehend durchgängig eingehalten werden. Die im Rahmenlehrplan ausgewiesenen Arbeitsprozesse und Kompetenzen werden in den Lehrplan aufgenommen und konkretisiert. Die Arbeitssituationen bilden gemeinsam mit den Kompetenzbeschreibungen eine Einheit. Die Fertigkeiten sind outcomeorientiert formuliert und erfüllen somit den Anspruch

In der Anordnung der Themen wird einerseits eine disziplinorientierte Struktur erkennbar. Sie ermöglichen den Aufbau eines Struktur- und Orientierungswissen im Gesamtzusammenhang. Andererseits wird durch die fächerübergreifende Anordnung der Aufbau von vernetztem Handlungswissen in Anwendungskontexten angebahnt.

Im Lehrplan wird der Transfer über die Transferaufgaben gesteuert. Offen bleibt jedoch, wie die Koordination zwischen den einzelnen Lernorten geschehen soll. Auch fehlen Angaben zum Qualifikationsverfahren.

Der Lehrplan gilt als ein curriculares Steuerungsinstrument und besteht aus zwei Teilen: Allgemeiner Teil mit Angaben über Ausbildung, Semester, Arbeitssituationen, Voraussetzungen, Fachverbindungen. Und einem lehrplanspezifischen Teil mit Angaben über Themen, Lektionen, Selbststudium, Theorien, Begriffe, Konzepte, Fertigkeiten, K-Stufen und Transferaufgaben und angeleitetes Selbststudium. Insgesamt zeigt sich eine sehr übersichtliche curriculare Darlegungsform. Zu fragen ist, inwieweit das Qualifikationsverfahren als weiteres zentrales curriculares Element mit aufgenommen werden kann.